Boliviengruppe des Lorenzer Ladens


Im LOLA engagiert sich die Boliviengruppe für das Friedhofskinderprojekt CIMET in Sucre, Bolivien.


Auslands-Freiwilligendienst im Friedhofskinderprojekt in Bolivien!
Näheres: Hier klicken!


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morgen wird alles besser, gerade der morgige Tag, der Tag, der morgen beginnt…..

Und vielleicht wird durch das Kinderprojekt Cimet in Bolivien der morgige Tag wirklich ein wenig besser, kurzum, vielleicht wird es ein guter Tag sein….


"Limpieza de nicho, por favor!" (Einmal die Grabnische putzen, bitte!). Und so nimmt der kleine Juan die große Leiter und geht hinter der Familie her. Die Leiter ist schwer und der Weg ist ziemlich weit, im hintersten Bereich des Friedhofs, fast ganz oben liegt die Grabnische. Die Familie setzt sich vor der Nische bequem auf die Bank und packt das mitgebrachte Essen und die Getränke aus, während der kleine Juan seiner Arbeit nachgeht. Mit Hilfe einer Leiter schließt er die Grabnische auf. Er muss frische Blumen reinstellen, die Nische putzen und dann auch noch einen kleinen Krug frisches Wasser für den Verstorbenen holen. Inzwischen macht es sich die Familie bequem, sie gedenken gemeinsam an den Toten, sie picknicken ausgiebig, reden und lachen. Obwohl sie nicht schweigsam, still betend vor dem Grab stehen, habe ich trotzdem nicht den Eindruck, dass es an Respekt fehlt. Vielleicht ist dies eine natürliche Art, mit dem Tod umzugehen. Während der kleine Juan frisches Wasser holt, studiere ich die umliegenden Grabnischen, es sind viele Kindernischen dabei. Isabella 3 Jahre, Victor 2 Jahre und Maria ist auch nur 4 Jahre alt geworden, lese ich. Die Kindernischen sind geschmückt mit kleinen Puppen, Stofftieren, Plastikautos und Blumen.


Jetzt schnell noch den Krug von Wasser in die Nische gestellt und Juan ist mit seiner Arbeit fertig. Umgerechnet einen Euro bekommt er für seine Tätigkeit, die etwa eine Dreiviertelstunde gedauert hat. Für die Verstorbenen beten, ist dann schon billiger. Für umgerechnet € -, 20 beten die Kinder für den Toten oder auch für die Familie. Oder darf's vielleicht eine Friedhofsführung sein? Für 2 Euro bekommt man eine professionelle Führung durch den historischen Friedhof in Sucre. Viele berühmte Personen haben in Sucre ihre Ruhe gefunden. Einige, ehemalige Friedhofskinder helfen schon mal bei einer Beerdigung. Die Gestaltung und auch die Grabrede, übernimmt die Familie selbst. "Tschau, Papa" ruft die Tochter, als der Sarg in die Nische geschoben wird. Einen Pfarrer braucht man in Lateinamerika zu einer Beerdigung nicht.


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Die meisten Friedhofskinder geben das verdiente Geld ihren Eltern. Oft ist der Zuverdienst für die Familien auch dringend nötig. Der durchschnittliche Verdienst liegt in Bolivien bei 100 Euro. Oft genug vertrinkt der Mann auch noch das wenige Geld, das er verdient hat.

Vor 16 Jahren wurde der CIMET (Centro Integral de los Menores Trabajadores - Ganzheitliches Zentrum für minderjährige Arbeiter) gegründet. Eine spanische Organisation gab Geld, um ein Haus in der Nähe des Friedhofs zu bauen und die Boliviengruppe des Lorenzer Ladens übernahm seither die Bezahlung der Gehälter der Angestellten, das Essen und die medizinische Versorgung der Kinder. Einen Teil des benötigten Geldes können wir durch die Kerzeneinnahmen bei der Krippe in St. Lorenz einnehmen, auch private Spender unterstützen uns. An die € 24.000,-- jährlich aufzubringen, ist dennoch immer wieder eine Herausforderung an unsere kleine Gruppe hier in Nürnberg. Aber wir sind nicht nur Geldgeber, wichtige konzeptionelle Überlegungen stellen wir mit dem Orden der Trinitarier als verantwortlicher Träger der Einrichtung vor Ort zusammen an.

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Der persönliche Kontakt mit den Angestellten und auch mit den Kindern vom CIMET ist sehr wichtig für uns. Vor 2 Jahren konnten wir Isabel (eine Erzieherin) und Edson (der Tanzlehrer) nach Nürnberg einladen. Die Begegnung mit unserem Land war für beide sehr wichtig und auch wir verbrachten unvergessliche Tage mit unseren Besuchern.
Fast jährlich verbringt ein Mitarbeitender der Boliviengruppe ihren oder seinen Urlaub in Bolivien.
Als Urlaubsland ist Bolivien einzigartig. Ein Land voller Gegensätze. Fröhliche Kinder, farbenfrohe Märkte, faszinierende Landschaften erwarten den Urlauber. Hinter dem schönen Schein verbirgt sich oft Armut, Hunger, Ausbeutung und die Kinder Boliviens sind die Leidtragenden dieser Realität. Viel zu früh müssen sie erwachsen werden. Dennoch sind sie die Hoffnungsträger, die trotzdem voller Mut und Lebensfreude ihren Weg gehen.

Im CIMET dürfen die Kinder wieder "Kind sein" - in Geborgenheit und einer sicheren Umgebung. Sie erhalten nicht nur ein nahrhaftes Essen, sondern auch Hilfe bei den Hausaufgaben, ihr soziales Verhalten wird geschult. Psychologen arbeiten mit den Kindern und deren Eltern. Nur mit einer abgeschlossenen Schulausbildung hat man in Bolivien eine Chance auf einen Ausweg aus der Armut. Aber auch Spiel und Spaß kommen im CIMET nicht zu kurz. Traditionelle Tänze zu erlernen ist ein ganz besonderes Privileg für die Kinder.


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Als ich im vergangenen Jahr in Sucre war, bat ich die Kinder, ihre Geschichte aufzuschreiben. Bei vielen ihrer Geschichten war Gewalt an der Tagesordnung und dennoch waren alle Biographien geprägt von einer großen Hoffnung.
Zum Beispiel schrieb Mario:
Mein Name ist Mario Antonio. Ich wurde am 16.10.1992 in Sucre geboren. Seit meiner Geburt war mein Leben sehr traurig, weil wir wenig Geld hatten, um uns zu ernähren. Wir sind 5 Geschwister, ich der Jüngste von allen.
Meine Brüder arbeiteten auf dem Friedhof, um meiner Mama zu helfen, und als ich 7 Jahre alt war, sah ich auch die Notwenigkeit, dorthin zu gehen und dort zu arbeiten. Dort erfuhren wir, dass es einen Ort gibt, wo es Essen für alle Kinder gibt, die auf dem Friedhof arbeiten. Wir gingen 4 oder 5 Jahre zum CIMET. Danach gingen wir einige Zeit nicht hin, ich weiß nicht warum. Einige Jahre später hörten meine Brüder auf dem Friedhof zu arbeiten auf und ich arbeitete nur noch alleine dort. Meine Kindheit verbrachte ich damit, für meine Familie zu arbeiten, aber ich bereue es nicht, denn ich war mit dem Herzen dabei.
Die Jahre vergingen schnell und ich wurde 16 Jahre alt und arbeitete weiter auf dem Friedhof. Ich schrieb mich erneut beim CIMET ein. Sie luden mich ein, an der Theater- und Tanzgruppe teilzunehmen. Von diesem Moment an fühlte ich mich wirklich lebendig und ich konnte sehen, dass ich zu etwas nütze sein kann.
Der CIMET wurde mein zweites Zuhause. Hier fand ich Zuneigung und Freundschaft.
Sie halfen mir auch bei meinen Hausaufgaben. Gut, sie machten alles, damit ich vorankomme. Ich war dann im CIMET für drei aufeinanderfolgende Jahre (2008 bis 2010). Während dieser Zeit lernte ich verschiedene Dinge wie Solidarität, Friede, Geben und Nehmen. Jetzt fühle ich mich als eine gestärkte und ermutigte Person, dank allem, was ich erfahren habe und was passieren musste.
Jetzt studiere ich an der Universität San Francisco Xavier das Fach Psychologie, wo ich gut vorankomme. Mein Ziel ist es, Psychologe zu werden, um den anderen zu helfen, so wie mir geholfen wurde. Ich danke allen, die mir geholfen haben. Dank ihnen bin ich da, wo ich heute bin, und das ist vor allem wegen der Leute vom CIMET. Danke!

Und jetzt etwas ganz persönliches, in eigener Sache: Jedes dieser CIMET-Kinder ist es mir wert, dass ich die beschwerliche Reise auf mich nehme und sie besuche. Am 1. März fliege ich wieder einmal nach Bolivien und diese Reise ist für mich spannender und wertvoller als jeder Strandurlaub im 3 Sterne Hotel irgendwo auf der Welt. Voller Stolz und Glück zeigen Erzieher und Kinder mir jedes Mal, was sie wieder alles dazugelernt haben. Tono schafft die 2. Klasse, nachdem seine Erzieherin Naida mit ihm intensiv Lesen und Schreiben übte, die Tanzgruppe führt einen traditionellen Tanz aus Tarija, dem Süden Boliviens, auf, bei dem die Mädchen in bunten Kleidern elegant von ihrem Partner umworben werden, und der einst stille und zurückgezogene 15jährige Orlando spielt mit unerwartet großer Teilnahme mit den anderen Jugendlichen Karten. So darf ich teilnehmen an dem Glück dieser früher verwahrlosten und perspektivlosen Straßenkinder und wir schenken uns gegenseitig viel Zuversicht.
Vielleicht möchten auch Sie einmal eintauchen in das Land Bolivien, schön, bunt und ursprünglich und voller Gegensätze Auch ein soziales Jahr im CIMET oder in einem anderen Projekt ist sicher für jeden jungen Menschen eine Bereicherung und manchmal auch eine Weichenstellung für das Leben.
Oder, vielleicht möchten auch Sie den Kindern durch eine Spende Hoffnung schenken, in einer Welt groß zu werden, die ihnen eine faire Chance bietet - die Chance auf eine neue Perspektive in ihrem Land, dessen Reichtum die Menschen sind, die trotz ihrer Armut sich mit aller Kraft für eine lebenswerte Zukunft einsetzen.

Margit Schoisengeier

Lorenzer Laden / Boliviengruppe
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