"CIMET", das erweiterte Friedhofskinderprojekt des LOLA

Im LOLA engagiert sich die Boliviengruppe für ein Betreuungszentrum für Straßenkinder ("CIMET") in Sucre, Bolivien.

1. Warum "CIMET"? Wie sich das "Friedhofskinderprojekt" weiterentwickelt hat  

Vielen, die den LOLA schon lange kennen und das Projekt vielleicht schon seit seiner Entstehung im Jahre 1994 unterstützen, ist der Name "Friedhofskinderprojekt" sicher noch geläufig.

Seit 2005 jedoch erscheint diese Bezeichnung nicht mehr zeitgemäß. Ursprünglich richtete sich das Projekt nur an die Friedhofskinder von Sucre. Sie bestreiten ihren Lebensunterhalt, indem sie sich um die Pflege der Begräbnisstätten auf dem historischen städtischen Friedhof von Sucre kümmern sowie Hilfsdienste für die Friedhofs-besucher übernehmen. Die Leitung der Projektarbeit vor Ort übernahmen 1994 zwei damals in die bolivianische Heimat zurückkehrende diakonische Helfer, Coky und Alvaro. Anfangs spielten, malten, rechneten und lasen Coky, Alvaro und bald vier Erzieher gut zwei Jahre lang mit den Kindern zwischen ihren Arbeitsphasen auf dem Friedhofspflaster. 1997 wurde schließlich das Casa de los Amigos (Haus der Freunde), das Zuhause des CIMET eingeweiht.

Heute spricht es, wie der Name "CIMET - Centro Integral del Menor Trabajador " (zu Deutsch: Integratives Zentrum für minderjährige Arbeiter) besagt, sämtliche Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 18 Jahren an, die ihren oder den Lebensunterhalt ihrer Familie mit Schuhe putzen, Windschutzscheibe reinigen oder ähnlichen Tätigkeiten auf den Straßen von Sucre verdienen.

Das Projekt dient jedoch nicht der Förderung von Kinderarbeit.

Der Schwerpunkt des CIMET liegt darin, diesen Kindern und Jugendlichen aus den ärmsten Verhältnissen, für die diese Tätigkeiten oft die einzige Möglichkeit darstellen, ihnen und ihren Familien das Überleben zu sichern, neue Lebensperspektiven zu geben.

2. Das Konzept des CIMET 

Das ganzheitliche Konzept des CIMET stützt sich auf zwei Säulen:

Im Rahmen der ganzheitlichen Erziehung stehen neben der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten verschiedene künstlerische Workshops auf dem Programm. Nachdem die Kinder und Jugendlichen ihre Hausaufgaben unter Anleitung erledigt haben, können sie sich für die Teilnahme an der Tanz-, Kunst- oder der Theaterspielgruppe entscheiden. Diese werden von jeweils einem professionellen Tänzer, Künstler und Schauspieler, sowie Praktikanten von staatlichen Hochschulen geleitet.

Auch Freiwillige, darunter ehemalige und aktive Mitarbeiter der Boliviengruppe und des LOLA helfen mit. In den Kursen sollen die Kinder und Jugendlichen ihre Kultur wertschätzen lernen und gleichzeitig angeregt werden, über sie zu reflektieren und so Toleranz gegenüber kultureller Vielfalt entwickeln. Im Mittelpunkt steht, die Ausdrucksfähigkeit und das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen durch die Freude an kreativen Tätigkeiten zu stärken. Auf diese Weise können wir ihnen einen Anstoß geben, sich mit ihren oft schwierigen, familiären Umständen auseinander zu setzen. Ergänzend hierzu werden Kurse angeboten, in denen die Kindern und Jugendlichen z.B. den Umgang mit Aggression lernen können, damit sie Konflikte souveräner meistern können. Darüber hinaus ist eine Ausweitung des Angebots an handwerklichen Aktivitäten angedacht, um den Kindern und Jugendlichen Fertigkeiten beizubringen, auf denen sie später einen Beruf aufbauen können.

Wenn die Kinder und Jugendlichen gerne im Einzel- oder Gruppengespräch mit jemandem vertrauensvoll über ihre Probleme sprechen möchten, stehen Psychologen zu festgelegten Zeiten zur Verfügung.

Ebenso wie dem Seelenleben wird auch dem Leben der Kinder und Jugendlichen außerhalb des CIMET große Beachtung geschenkt. Dazu werden bei Aufnahme des Kindes seine Basisdaten (Herkunft, Geburtsdatum, eigene Beschäftigung und die der Eltern) festgehalten. Zudem begleiten Mitarbeiter des CIMET regelmäßig die Kinder und Jugendlichen bei ihrer Arbeit auf dem Friedhof oder auf der Straße und machen Haus- und Schulbesuche.

Höhepunkte der kulturellen Aktivitäten sind Vorbereitungen zu Festen, wie dem 10-jährigen Jubiläum des CIMET oder zum Muttertag. Zu diesen Anlässen zeigt sich das Casa de los Amigos bunt geschmückt und die Kinder und Jugendlichen führen vor ihren Eltern und Freunden Sketche und Theaterstücke auf.

Neben der ganzheitlichen Erziehung bilden die Ernährung und Gesundheit einen weiteren Schwerpunkt im Angebot des CIMET. So ist das gemeinsame Mittagessen ein integraler Bestandteil des Tagesablaufs. In der Küche bereitet unsere Köchin Augustina, seit Gründung des CIMET dabei, oftmals unter eifriger Mithilfe der Mitarbeiter das Essen zu. Schnell füllt sich der Speisesaal mit heiterem Gelächter, Geschnatter und Geschmatze. Selten bleibt etwas übrig. Was ein Kind nicht schafft, teilt es mit seinem Nachbarn. Es gibt eine Suppe als Vorspeise, ein Hauptgericht und einen Nachtisch. Da das Mittagessen im CIMET für viele der Kinder und Jugendlichen oft die einzige Mahlzeit am Tag darstellt, wird besonderer Wert auf Gesundheit und Ausgewogenheit gelegt. Dadurch sollen die Kinder und Jugendlichen die Ernährung bekommen, die sie für ihre Entwicklung brauchen, damit sie erfolgreicher und besser ihre tägliche Arbeit leisten können. Im Anschluss an das Mittagessen wird gemeinsam abgespült.

Natürlich ist auch für die medizinische Betreuung der Kinder und Jugendlichen gesorgt. So stehen ihnen zu festgelegten Sprechzeiten in einem separaten Behandlungszimmer ein Allgemein- und ein Zahnarzt zur Verfügung. Außerdem wird auch auf die Einhaltung von Sauberkeit und Hygieneregeln, wie regelmäßiges Zähneputzen nach dem Essen und das gemeinsame Reinhalten des Hauses, Wert gelegt.

3. Padre Pastor, unser neuer, kompetenter Ansprechpartner vor Ort 

Das CIMET wird vom katholischen Orden der Trinitarier betreut. Seit 2005 ist Padre Pastor Villalba neben anderen Projekten für das CIMET zuständig. Die laufenden Geschäfte führt die Direktorin Sarela Daza, eine ausgebildete Pädagogin.

Einige von uns, den Mitgliedern der Boliviengruppe, hatten am 25.06.2007 die Gelegenheit, Padre Pastor persönlich bei einem Besuch im LOLA kennen zu lernen. Schnell waren wir alle davon überzeugt, dass das Projekt bei ihm in guten Händen ist. Während seines detaillierten Vortrags, bei dem er uns auch Fotos aus dem CIMET vorführen konnte, konnte er fast ausschließlich Positives berichten. So hat er festgestellt, dass vor allem durch das pädagogische Programm signifikante Fortschritte bei der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen erzielt werden konnten. Vor allem haben sie mehr Selbstvertrauen gewonnen und zu einem respektvolleren Umgang untereinander gefunden.

Padre Pastor strahlte ein hohes Maß an Professionalität aus und gab ohne großes Überlegen bereitwillig Auskunft über seine Arbeit und die Aktivitäten im CIMET. Was uns am meisten beeindruckt hat, war seine offene Ausstrahlung und sein humorvolles Wesen. Gezielt suchte er das Gespräch mit uns und anderen LOLA-Mitarbeitern. Vor allem wollte er auch diejenigen Mitglieder kennen lernen, die, oft eher sporadisch jedoch dafür umso wertvoller, bei der Boliviengruppe im Hintergrund mitarbeiten.

4. Wie Sie einen Beitrag leisten können 

Die Boliviengruppe sucht immer Helfer, die ihre Ideen in die Organisation des Projektes einbringen möchten. Egal, ob Sie sich regelmäßig engagieren möchten oder nur ab und zu an unseren Besprechungen teilnehmen möchten.

Schauen Sie einfach vorbei: Die Boliviengruppe trifft sich im Abstand von circa 3 Wochen im Lorenzer Laden, Lorenzer Platz 8, 90402 Nürnberg. Der genaue Termin wird rechtzeitig im Schaufenster ausgehängt.

Wenn Sie weitere Fragen zur Boliviengruppe im LOLA und zum CIMET haben, erreichen Sie uns per Email oder telefonisch über den Lorenzer Laden, Telefonnummer: 0911/24 46 99-70, Email: LoLa@LorenzerLaden.de. Oder besuchen Sie in der Adventszeit die Krippe in der Lorenzkirche. Jede gespendete Kerze geht zu hundert Prozent an die Kinder und Jugendlichen im Casa de los Amigos.

Natürlich können Sie das CIMET auch direkt unter folgender Bankverbindung unterstützen:

Konto 102507315
Evangelische Kreditgenossenschaft eG
BLZ 52060410

Michael Drabe, im November 2007